Bibelgeschichten in Sibirien

«Ich habe versucht, die russische Bibel zu lesen, aber ich habe nichts verstanden», berichtet eine Angehörige der Nanai. «Noch weniger habe ich verstanden, als ich versuchte, das Lukasevangelium auf Nanai zu lesen. Hingegen würde ich liebend gern Bibelgeschichten auf Nanai hören!»

Darum beschlossen unsere Partner, in Zusammenarbeit mit christlichen Gemeinden in 16 sibirischen Sprachen dreissig Bibelgeschichten auszuwählen, welche die Heilsgeschichte von der Schöpfung bis zur Offenbarung abdecken. Vertreter jeder Sprache, ob Christen oder nicht, werden ausgebildet, um die Geschichten für die Aufnahmen zu erarbeiten und auswendig zu lernen.

Diese Tonaufzeichnungen dienen als Spracharchiv für die nächsten Generationen. Gott zu hören in einer Sprache, die lange Zeit verachtet gewesen ist, wertet die Identität der Sprachgruppe auf. Das weckt das Interesse, auch gedruckte Texte in der Muttersprache zu haben. So führt Hören zum Lesen. Vor allem aber trifft durch die erzählten Geschichten Gottes Liebe direkt ins Herz:

Eine Udehe-Übersetzerin arbeitete am Gleichnis des verlorenen Sohnes in Lukas 15. Als sie las «Sein Vater sah ihn schon von weitem kommen; voller Mitleid lief er ihm entgegen, fiel ihm um den Hals und küsste ihn», brach sie in Tränen aus. Noch nie war ihr Gott auf diese Art persönlich begegnet!

Sieben ältere Frauen aus dem Volk der Korjaken möchten auch helfen, Geschichten in ihrer Sprache zu erarbeiten. Sie kennen die Bibel in Russisch, aber durch die Bibelgeschichten ist sie ihnen lebendig geworden. Jetzt sprechen, beten und singen sie in der Kirche in Korjak.

Mehr über Bibelgeschichten in der aktuellen Ausgabe des Wycliffe-Magazins.

Video zum Thema (auf Französisch)