Was ist das „schnelle Dutzend“?

Wir zeigen hier anhand der Raumbezeichnungen im Haus einige Grundprinzipien auf, die bei der Übung des „schnellen Dutzends“ wichtig sind.

Ein Sprachpate und mehrere Lernende sitzen also zusammen vor dem Plan eines Hauses oder einer Wohnung. Wenn der Sprachpate einfach herunterrattert: „Dies ist die Küche; dies ist die Toilette; dies ist der Eingang; dies ist die Tür; dies ist das Wohnzimmer; dies ist die Toilette…”, werden die Lernenden mit einer unverständlichen Sprachflut überschwemmt. Sie können das Gehörte nicht verarbeiten, und sich schon gar nicht merken. Wenn der Sprachpate sagt: „Dies ist die Küche, Küche, Küche, Küche, Küche, Küche, Küche, Küche, Küche, Küche, …” wird dies sehr schnell langweilig. Auch nicht sehr nützlich.

Stattdessen schlagen wir folgende Art von Übung vor: Wir sitzen zusammen vor dem Plan des Hauses. Der Sprachpate beginnt mit zwei Räumen, z.B. mit Küche und Toilette. Er sagt: „Dies ist die Küche und dies ist die Toilette”, und zeigt dabei auf den jeweiligen Ort auf dem Plan. Er wiederholt das ein paar Mal. Dann fragt er die Lernenden: „Wo ist die Toilette? Wo ist die Küche?” Sie antworten entsprechend, nicht in Worten, sondern indem sie auf die genannten Orte zeigen. Da wir von Anfang an zwei Möglichkeiten haben, unter denen die Lernenden wählen müssen, sind sie gezwungen, das Gehörte zu verarbeiten.

Wenn wir andrerseits mit zu vielen Möglichkeiten anfangen, können sich die Lernenden nicht alles merken. Mit einer anfänglichen Auswahl von zwei bis maximal drei Räumen ist es möglich, das Gehörte zu verarbeiten.

Der Pate fragt also ein paar Mal: „Wo ist die Toilette? Wo ist die Küche?” Die Lernenden zeigen jeweils auf die Toilette und auf die Küche. Dann sagt der Pate ein paar Mal: „Dies ist die Toilette, dies ist die Küche, dies ist der Eingang.” Dann fragt er: „Wo ist die Toilette? Wo ist die Küche? Wo ist der Eingang?” Er fügt dann einen vierten Raum hinzu usw.

Wenn er die Namen der Räume immer in der gleichen Reihenfolge sagt, und dann auch in der gleichen Reihenfolge abfragt, dann braucht sich der Lernende nur die Reihenfolge zu merken. Er kann problemlos richtig zeigen, ohne das Gehörte verarbeitet zu haben.

Um den Lernenden zu zwingen, das Gehörte zu verarbeiten, müssen die Fragen in willkürlicher Reihenfolge gestellt werden. So kann der Lernende zuhören, verarbeiten und dann richtig reagieren. Er lernt die Sprache, indem er sie verarbeitet.

Abschliessend hier noch einmal die Regeln für das „schnelle Dutzend“:

  1. Der Sprachpate beginnt mit zwei Ausdrücken.
  2. Er führt danach immer nur einen neuen Ausdruck auf einmal ein.
  3. Der neue Ausdruck wird zusammen mit den schon bekannten viele Male wiederholt.
  4. Die neuen Ausdrücke werden viele Male abgefragt, in willkürlicher Reihenfolge und vermischt mit Fragen nach bereits bekannten Ausdrücken.

(aus: Greg Thomson, 1993, Kickstarting your Language Learning, Deutsch von Kathrin Pope)