Kann man Sprachen spielerisch erlernen?
Man kann. Mühsam Vokabeln, Deklinationen, Konjugationen auswendig lernen – wer kennt das nicht. Die BibelübersetzerInnen von Wycliffe schlagen ein alternatives Vorgehen vor. Im zweiwöchigen Kurs „Prestolingua“ wurde vermittelt, wie man effizient eine neue Sprache lernen kann. Ein Teilnehmer berichtet:
Sprachelernen konkret
Angenommen ich will Dagbani lernen, eine Sprache, die in Ghana gesprochen wird. Als erstes suche ich mir einen einheimischen sogenannten Sprachassistenten. Ich nutze Fotos, Gegenstände, Alltagssituationen usw., um Wörter zu lernen. So stelle ich beispielsweise verschiedene Getränke auf den Tisch und zeige mehrmals in einer beliebigen Reihenfolge auf sie. Der Sprachassistent nennt jeweils die Bezeichnung des Getränks in seiner Sprache. In einer weiteren Übung zeige ich verschiedene Körperteile und lasse mir die Wörter vorsprechen. Darauf werden die Rollen getauscht: Nun muss ich zeigen, wo was ist. Der Sprachassistent sagt ein Wort, ich muss auf das entsprechende Getränk oder den entsprechenden Körperteil zeigen.
Tonaufzeichnungen
Tonaufzeichnungen sind für die Sprachmethode von Prestolingua unerlässlich: Ich darf meinem Sprachassistenten nicht zumuten, neue Wörter 20x zu wiederholen. Dank MP3-Dateien kann ich mir das Erarbeitete später anhören und einprägen. Während etwa vier Wochen höre ich nur zu und rede nicht. Mein Sprachassistent spricht vor, was ich zeige. Das müssen nicht zwangsläufig Gegenstände sein. Man kann auch Farben und andere Adjektive (lang, schmal) zeigen, Aktivitäten (rennen, essen, trinken), Zahlen. Darauf nennt der Sprachassistent die Wörter in willkürlicher Reihenfolge, worauf ich sie dann zeigen muss. Ich höre, verstehe und reagiere, indem ich auf das entsprechende Bild zeige. Diese Technik wendeten wir während sechs Lektionen mit einer Sprachassistentin von der Elfenbeinküste an. Erfolgreich. Wir lernten ohne grossen Aufwand etwa 100 Wörter.
Lehrkörper mit Erfahrung
Prestolingua wurde von Wycliffe-Mitarbeitenden durchgeführt, die alle in afrikanischen Ländern an Bibelübersetzungsprojekten mitgearbeitet hatten. Sie wussten, wovon sie sprachen. So war denn auch besonders interessant, was sie von ihren eigenen Erfahrungen erzählten. Die Französin Dr. Françoise Carénas und die in England wohnhafte Baslerin Kathrin Pope unterrichteten Sprachlernmethodik, der Westschweizer John Maire und Helen Wilson aus England vermittelten die Grundlagen der Phonetik.
Dr. Françoise Carénas und Kathrin Pope stützten sich im Unterricht auf Texte von Greg Thomson, der die eingangs beschriebene Lernmethode einführte. Anhand mehrerer Befragungsbögen reflektierten wir unser Lernverhalten. Wir erhielten Tipps zur Auswahl einer Sprachassistenz, zur Gestaltung der Treffen und zu Möglichkeiten, mit Einheimischen ins Gespräch zu kommen, denn: Die Sprechpraxis darf natürlich nicht auf die Treffen mit der Sprachassistenz beschränkt werden.
Phonetik
Der zweite Schwerpunkt neben der Sprachlernmethodik war die Phonetik. Die Phonetik beschäftigt sich mit den Lauten einer Sprache, also mit der Aussprache. Helen Wilson (Bild links) und John Maire machten uns anschaulich vor, wie die verschiedenen Laute gebildet werden können. Das sah manchmal ziemlich lustig aus! Und klang auch so ... Wir lernten einzuschätzen, wo (Artikulationsort) und wie (Artikulationsart) ein Laut gebildet wird. Erstaunlich wie vielfältig die Möglichkeiten sind, einen Laut zu verändern! Zwar konnten wir uns in dieser kurzen Zeit die meisten phonetischen Zeichen nicht merken. Dennoch: Die Begeisterung von Helen und John für die Phonetik hat sich (zumindest teilweise) auf uns übertragen. Zudem wies uns John auf wichtige Hilfsmittel hin, die zur Vertiefung des Gelernten nützlich sind (siehe „nützliche Links zur Phonetik“).
Sprachlernkurse werden auch in Deutschland durchgeführt. Genauere Informationen gibt es hier.
Nützliche Links zur Phonetik
IPA ist das Internationale phonetische Alphabet. Auf IPA Help kann man sich unter anderem alle Laute sowie Beispielwörter anhören. IPA Help kann gratis heruntergeladen werden, und zwar hier. Http://www.sil.org/ enthält viele weitere Arbeitsmittel und Links zur Phonetik (und Linguistik allgemein). Hier ist es möglich, genau zu untersuchen, wie ein Laut gebildet wird.


