Die andere Kultur unter die Lupe genommen

In der Ethnologie geht es darum, die Kultur eines Volkes kennenzulernen, zu verstehen und zu beschreiben. Dazu gehört sehr viel: Religion, Brauchtum, Feste, Tänze, Musik, Kleidung, Berufe, kurz gesagt: das ganze Leben, im Alltag und an besonderen Tagen.

Sharon und Johannes Merz berichten: "Ethnologische Forschung ist besonders lohnenswert, wenn das, was wir herausfinden, nicht nur interessant, sondern auch wichtig für die Bibelübersetzung ist. Während einer Forschung übers Verwandtschaftssystem der Bebelibe (Benin, Westafrika), lernten wir, wie man jemanden ungewollt beleidigen kann, und was dann geschehen muss, um es wieder gut zu machen.

Wenn ein Mensch und sein Umfeld merken, dass ein Konflikt vorhanden ist, schicken sie jemanden, der für sie vermittelt. Der Vermittler (ū cɛndāānɔ genannt) versucht dann die Beleidigten davon zu überzeugen, dass der Täter seinen Fehler eingesehen hat und dass er Versöhnung wünscht. Der Vermittler ist meistens ein älterer und reifer Mann aus der Verwandtschaft, der für seine Weisheit und Gabe als Vermittler bekannt ist. Ein schlechter Vermittler kann die Situation noch verschlimmern.

Wenn dank dem Vermittler die beiden Konfliktparteien zur Versöhnung bereit sind, muss eine Zeremonie (m̄ yā̰kitīmɛ genannt) organisiert werden. Diese hat zum Zweck, um Vergebung zu bitten, einen allfälligen Fluch aufzuheben und die Versöhnung der zwei Parteien zu festigen. Während der Zeremonie müssen die Vertreter der beiden Parteien den Mund waschen, um sich von den Wörtern und Flüchen zu befreien, die während eines Konflikts gewollt oder ungewollt ausgesprochen worden sind. Dann wird eine Ziege zur Versöhnung geopfert.

Aus der Sicht der Bebelibe kann also Jesus nicht nur als unser Vermittler verstanden werden, sondern zugleich auch als unser Versöhner im Symbol einer Opferziege. Die Kreuzigung Jesu ist dementsprechend durch die m̄ yā̰kitīmɛ-Zeremonie zu erklären, die die Versöhnung mit Gott ermöglicht."