- Jakob’s kaltes Herz: Als Joseph’s Brüder ihrem Vater berichteten, dass Joseph noch lebte, blieb Jakob’s Herz „kalt“; mit anderen Worten, er zeigte keine Emotionen, „denn er glaubte ihnen nicht“ (Gen. 45,26).
Auf Tussian bedeutet „ein kühles Herz“ haben aber etwas völlig anderes: „Ich habe ein kühles Herz“ heisst „ich bin zufrieden“. Eine wörtliche Übersetzung von Gen. 45,26 würde Jakob ein Gefühl zuschreiben, das er ganz bestimmt nicht empfand. - Jesus heilte einen Mann mit einer verdorrten Hand (Mt 12,10). Mit „verdorrter Hand“ wird eine Körperbehinderung bezeichnet; irgendwie konnte dieser Mann seine Hand nicht normal gebrauchen.
Auf Tussian ist ein Mensch mit einer „verdorrten Hand“ ein geiziger Mensch… - Im Griechischen wird Jesus sehr oft mit Namen genannt. Ich könnte jetzt nicht genau sagen, was der Effekt dieser Namensnennung im Griechischen ist, aber auf Tussian wird die Hauptfigur in einer Geschichte wenn immer möglich einfach mit dem Pronomen (“er“, „sein“, …) bezeichnet. Würde auf Tussian immer wörtlich von „Jesus“ gesprochen, würde damit (implizit) ausgedrückt, dass Jesus eine unwichtige Nebenfigur ist.
Fazit: Wer genau übersetzen will, übersetzt oft genau nicht wörtlich. — Und weil Übersetzen solche (und viele weitere) Überlegungen mit einbeziehen muss, ist es eine derart spannende, herausfordernde und auch zeitaufwendige Angelegenheit. Bibelübersetzung geht halt nicht von einem Tag auf den anderen, dafür ist es aber eine nachhaltige Hilfe.
Weitere Betrachtungen zur Bibelübersetzung auf dem Blog des Wycliffe-Direktors, Hannes Wiesmann


