Ausbildung selbst erlebt - Fortsetzung
Sprachlerntechniken
Im Fach Sprachlerntechniken lernen wir unsere persönlichen Techniken des Sprachlernens aufbauen, um später eine Sprache lernen zu können, für die es keine Lehrmittel gibt. Nach einer eher theoretischen Einführung ins Thema sind die beiden letzten zwei Kurswochen für das praktische Sprachelernen mit einem Ehepaar aus Kamerun reserviert.
Jeden Tag führen wir zwei Lektionen mit einem der beiden Assistenten durch. Dabei spielt das Tonbandgerät eine wichtige Rolle! Danach gilt es, das neue Vokabular zu bearbeiten: Zuerst müssen die Sprachaufnahmen in phonetischer Schrift festgehalten werden. Diese Arbeit verlangt ein mehrmaliges Abhören der einzelnen Wörter, wobei man sich jeweils auf einzelne, noch unklare Laute konzentriert. Handelt es sich bei den Aufnahmen um ganze Sätze, gilt es anschliessend Hypothesen aufzustellen bezüglich der Grammatik. Aufgrund dieser Hypothesen werden die folgenden Lektionen vorbereitet, um die Hypothesen zu prüfen. Dabei ist es ganz wichtig, dass man nicht davon ausgeht, dass die zu lernende Sprache der eigenen Sprache entspricht!! Dies ist übrigens ein wichtiges Sprachlernprinzip, welches hilft, falschen oder unvollständigen Regeln über die Funktionsweise der Sprache auf die Schliche zu kommen.
Grammatik
Ein Beispiel: Während es in der deutschen Sprache drei grammatische Geschlechter gibt (männlich, weiblich, sächlich), findet man im Englischen keine nach Geschlecht differenzierten Nomen:
Das Haus, der Mann, die Blume, aber: the house, the man, the flower.
Doch aufgepasst, man darf nicht zu schnell darauf schliessen, dass eine grammatikalische Entdeckung vollumfänglich gilt. So könnte man sich zum Beispiel im Englischen zu früh darüber freuen, dass man die grammatikalischen Geschlechter nicht zu unterscheiden braucht und übersehen, dass diese Unterscheidung der Geschlechter trotz allem wieder auftaucht, sobald man ein Nomen mit einem Possessivpronomen versieht:
her Haus (Besitzer des Hauses ist weiblich)
his flower (Besitzer der Blume ist männlich)
its colour (Besitzer der Farbe ist sächlich)
Semantik (=Wortbedeutung)
Ein Beispiel: Während man im Deutschen nicht unterscheidet zwischen trinkbarem Wasser und Wasser, wie man es in einem Fluss oder See antrifft, gibt es dafür in anderen Sprachen unterschiedliche Wörter. Wenn man sich bereits bei der Vorbereitung einer Wortschatz-Lerneinheit bewusst ist, dass solche Unterschiede existieren können, kann man zum Beispiel eine Aufnahme für „Sie trinkt Wasser.“ und eine zweite für „Er badet sich im Wasser.“ machen. Beim Vergleichen der beiden Aufnahmen merkt man dann bald, ob es mehrere Wörter für „Wasser“ gibt.
Quelle: Andreas Ernst


