de | fr | it | ro
 Login | Kontakt | Sitemap 

Ich werde aus meinem Leben etwas ganz «Verrücktes» machen

Ich erinnere mich noch genau an den Ort, an dem ich mich eines Tages als Fünftklässlerin auf dem Heimweg von der Schule befand. Ich stand plötzlich still auf der Strasse, horchte in mich hinein und sagte darauf wie zu mir selber: «Nein, ich will kein "gewöhnliches" Leben führen, wie es die meisten Schweizer tun und wie es auch von mir erwartet wird. Ich werde aus meinem Leben etwas ganz "Verrücktes" machen!» Dieser Entschluss kam nicht als Resultat von tiefsinnigen Überlegungen, er stand frei da, ganz unabhängig von vorherigen Empfindungen. Er hatte auch noch nichts mit Bibelübersetzung oder Mission zu tun.

Die Jahre gingen dahin, mein Leben verlief ziemlich «gewöhnlich» mit Schule, Berufslehre, Welschlandaufenthalt, Sprachaufenthalt in der Westschweiz und später in England. Missionsarbeit interessierte mich. Ich las viele Missionsbücher aus aller Welt, wodurch mein Interesse ständig wuchs. Ich hoffte aber im Stillen, dass Gott einen meiner Brüder schicken würde, den ich dann unterstützen könnte...
In den Jahren meiner beruflichen Arbeit vertiefte sich mein Interesse an Missionsarbeit. Verschiedene Personen, besonders Kollegen an meinem Arbeitsplatz, sprachen mich auch daraufhin an, ob ich mich nicht in einer Missionsarbeit sehen könnte, ohne dass ich ihnen zuvor von meinem Interesse erzählt hatte.

Eines Tages fiel mein Blick auf einen Artikel in «Das Beste aus Readers Digest». Darin war von der Arbeit der Bibelübersetzung in Lateinamerika die Rede. Ich las ihn mit grosser Spannung und fand diese Art von Missionsarbeit, in der man mit Sprachen zu tun hatte, sehr interessant.
Einige Zeit später war unsere Bibelgruppe eingeladen, den Missionsvortrag in einer christlichen Gemeinde des Orts mit einigen Liedern zu verschönern. Da der Leiter der Gruppe abwesend war, wurde ich gebeten, diesen zu vertreten. Es ging um das Anliegen der Bibelübersetzung, das uns von drei Kandidaten von Wycliffe vorgestellt wurde. Wieder wurde ich gepackt, besonders von einem Film, der über die Arbeit in Guatemala berichtete. Ich war nach dem Anlass ziemlich aufgewühlt und fühlte mich direkt angesprochen. Ich verschaffte mir einen ganzen Stoss Literatur und las fast die ganze kommende Nacht hindurch. Gegen Morgen trafen mich die Worte aus Psalm 40 ganz direkt: «Wen soll ich senden, wer will mein Bote sein?» Ich wusste, dass die Frage aus höherer Warte ganz persönlich an mich gerichtet war und für mich interpretiert hiessen: «Willst du meine Botin sein?». In mir entbrannte ein Kampf: Es galt nun, eine klare und verbindliche Antwort zu geben und dem Nagel einen Kopf zu geben. Gegen Morgen war ich dann bereit, Ja zu sagen auf dieses innere Drängen. Augenblicklich erfüllte mich eine überwältigende Freude und eine Gewissheit, dass mein «Ja» an höchster Stelle gehört und angenommen worden war. Ich war nun auf dem für mich richtigen Wege und durfte dem Herrn viele Jahre in der Bibelübersetzungsarbeit dienen – Zweifel an meiner Berufung sind mir nie gekommen.

Margrit Bolli