Seenot, Wind und Wellen und die Kraft des Gebets
Früh morgens, noch vor Sonnenaufgang, machten wir uns auf den Weg zum Strand. Dort wartete ein kleines Boot auf uns. Mein Mann, unsere drei Töchter und ich waren von unserem Dorf auf einer Insel in Südostasien unterwegs in die Hauptstadt unseres Einsatzlandes. Die Überfahrt würde 10 bis 12 Stunden dauern. Beim Anblick des Kanus verlor ich allen Mut. Es war gut 8 Meter lang, an der breitesten Stelle mass es kaum 2,50 Meter - wie sollte diese Nussschale je gegen die Wellen des Ozeans ankommen, der sich nach dem letzten Sturm noch nicht wieder beruhigt hatte?
Wir beteten und stiegen ein. Wellen peitschten gegen den Bootsrand. Unser Bootsführer beherrschte sein Handwerk. Gekonnt steuerte er auf den ersten Wellenkamm und dann halb seitwärts kippend in das dahinterliegende Wellental. Dann auf die zweite Welle, und wieder schräg hinunter. Immer wieder aufwärts und halb kippend abwärts, immer weiter und weiter. Mein Mann war seekrank, ich hatte panische Angst. Die Kinder übergaben sich. Wir hielten uns an den Händen, beteten und sangen Lieder, um unsere Angst zu vertreiben. Im Stillen fragte ich Gott: «Herr, was tun wir hier eigentlich? Wozu soll das alles gut sein? Ich will nicht mehr!» Doch langsam wurde ich ruhiger, und endlich brachte Gott uns sicher ans Ziel unserer Reise.
Später besuchten wir einige Freunde und Unterstützer. Eine meiner Freundinnen erzählte: «Vor einiger Zeit trafen wir Frauen uns zum Beten. Plötzlich hatte ich eine Art Vision: Ich sah euch in einem Boot kauern, das von einem heftigen Wind hin und her geschüttelt wurde. Ich verstand sofort, dass ihr in Schwierigkeiten wart, und habe für euch gebetet.» Tief bewegt erzählte ich ihr von unserer gefährlichen Überfahrt und welche Ängste ich ausgestanden hatte. Ich weiss nicht, was passiert wäre, wenn diese Frau nicht für uns gebetet hätte.
Inmitten der Gefahren erinnern wir uns, dass Gott weiss, was er tut und wozu das alles gut ist: Die Menschen auf diesen Inseln sollen erfahren, wie sehr Er sie liebt!
(Von Kathy Taber)

